Abstillen, ein Abschied

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Das ist ein Archivbeitrag von meinem letzten Blog Projekt (mamafragtmama.at) mit Kathrin Sieder. Kathrin und ich, wir haben uns Fragen gestellt, die wir uns gegenseiten beantwortet haben. Dabei sind mehrere Texte entstanden, auch dieser. Abstillen ist genauso wichtig wie Stillen selbst, es gehört zum Prozess dazu. Im Internet findet man viele Tipps, wie man das Kind entwöhnen kann, das klingt aber nicht freiwillig für mich. Als ob die Mütter das für das Kind entscheiden und dann „durchziehen“ – nur eben möglichst sanft. Hier meine Gedanken zum sanften Abstillen.

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Liebe Julia, ich bin gerade am Abstillen und das fällt mir gar nicht so leicht, weil meine Tochter den Busen immer wieder einfordert. Kann es leicht gehen? Nach einem Jahr stillen und wieder abstillen wie blickst du da auf diese kurze Zeit (die manchmal so lange vorgekommen ist) zurück?

Abstillen, abdrehen, abwenden, abgeben, abstellen, abgehen, ABSCHIED – alles keine einfachen Worte. Wörter die mit ab beginnen, tragen eine schwere in sich. Etwas trauriges, melancholisches. Viele Mamas gehen wohl auch mit dieser Stimmung in diesen Prozess, des Abstillens.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Worte unsere Realität schaffen und dass diese Stimmung, die von dem Wort mitgebracht wird vieles schwieriger machen, als es die Natur und unser Körper brauchen. Unser Kopf hat großen Einfluss. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich nach der Geburt meiner Tochter ziemliche Schwierigkeiten hatte, mit dem Stillen zurecht zu kommen. Ich hatte irre Schmerzen und immer das Gefühl zu wenig Milch zu haben, da mein Baby abends einfach nicht genug kriegen konnte. Erst als ich meinen Geist zur Ruhe gebracht habe und meinem Körper, meinen Brüsten und meinem Baby vollstes Vertrauen geschenkt habe hat’s auch geklappt. Der entscheidende Satz war immer, meine Brüste und meine Tochter machen sich das aus, ich habe damit eigentlich nichts zu tun. Meine einzige Aufgabe war nur, meine Tochter trinken zu lassen und mich entspannen. Easy, ohne dem ganzen Kopfzirkus.

Und beim Abstillen, wollte ich das genauso machen. Kopf aus. Sendepause. Die ganze Schwere und Melancholie die dieses Wort mitbringt, nicht im Kopf kreisen lassen. Ist ein Abschied nicht nur dann schwer, wenn man ihn nicht will? Wenn es einen Widerstand dagegen gibt? Oder macht ein plötzlicher, unerwarteter Abschied, die Sache schwer? Wenn ich mich zum Beispiel an den Abschied von Menschen in meinem Leben erinnere, dann waren die schleichenden Abschiede immer die am wenigsten schmerzhaften. Zuerst sieht man sich noch oft, dann immer weniger, die Gespräche werden dünn. Das Interesse schwindet. Man ruft sich nicht mehr an. Man trifft sich nicht mehr. Man ist einen Teil gemeinsam gegangen, aber jetzt passt das nicht mehr. Man hat sich auseinander gelebt, hat genug voneinander. Beim Abstillen habe ich es dann auch so gemacht, langsam und immer darauf achtend ob es noch passt. Bis es irgendwann genug war und wir beide nicht mehr wollten. Wir waren da einer Meinung, sie, ich und mein Körper.

Natürlich kann es Konflikte geben, wenn einer noch will und der andere nicht mehr. Das ist in vielen menschlichen Beziehungen so. Meistens will das Kind noch. Die Mama hat genug. Vielleicht glaubt sie auch nur, dass sie genug hat, weil die Gesellschaft langstillenden Müttern nicht positiv entgegen kommt. Weil solange stillt man ja nicht, das ist ja komisch, oder? Ich finde Stillen gehört wie die Schwangerschaft und die Geburt zum Wunder Leben. Ohne Stillen und die Kraft der Muttermilch gäbe es uns heute nicht. Das ist ein Fakt. Stillen ist für mich etwas Heiliges und ganz Besonderes. Vielleicht können Mamas, die sich in dem Konflikt wiederfinden, dass ihr Kind noch will, sie aber nicht mehr, öfters daran erinnern, wie wertvoll das Stillen ist und der Stillbeziehung auch noch was Positives abgewinnen. Ich habe einmal geschrieben, dass die Stillzeit die Schwangerschaft für meine Mutterrolle ist. Jetzt nachdem ich nicht mehr stille, kann ich das nur bestätigen. Es braucht diese Zeit, manchmal länger und manchmal kürzer, um hineinzuwachsen in diese Rolle. Die Zeiten in denen ich gestillt habe, war ich immer ganz im Vertrauen, dass mein Kind alles bekommt was es braucht, Nahrung, Nähe, Wärme und Liebe. Ich habe nach und nach langsam gelernt, wie ich diese Bedürfnisse auch ohne zu stillen, befriedigen kann. Ich bin also mit jeder Mahlzeit die ich nicht gestillt habe, als Mama gewachsen. Mein Kind hat diese Zeit auch gebraucht um zu lernen sich mitzuteilen und auch zu verstehen, wann ist es genug mit dem Stillen, wann brauch ich vielleicht auch was anderes und was gibt es da eigentlich noch alles. Das braucht Zeit, wie auch das Gehen lernen.

Welche Gründe fallen dir ein Kathrin, warum das Abstillen zum Konflikt werden kann? Was könnte Mamas und ihren Kindern helfen, harmonisch und ohne Machteinfluss abzustillen?

Zum Konflikt wird das Abstillen bei mir, wenn ich zu wenig geschlafen hab. Keine Energie mehr habe und ich eigentlich was anderes brauche und machen WILL was meine Tochter gerade von mir braucht.
Das Wollen und ich soll mal wieder nach meinen Bedürfnissen leben können ist mein größtes Hindernis beim Abstillen und bei allen weitern Themen. Sobald ich Will und sie was anders braucht, dann kommt Wut und Groll auf.
Ohne Machteinfluss abstillen…. Liebevolle Grenzen setzen. 3 Wörter die so schwer sind umzusetzen. Hab ich je gelernt, was liebevoll bedeutet und wie es sich wirklich anfühlt. Ich merke, dass mir MettaMeditation (Meditation der Liebenvollen Güte) dem ein Stück weit näher kommen lässt.

© Picture by Julia Puckmayr, sinn-impuls.at

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