Meinst du wirklich?

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Meinst du wirklich? – Über Unsicherheiten und meinen Weg zur Intuition

Sobald frau das erste Mal Mama wird tut sich ein ganz neues Feld an Berater und Beraterinnen auf. Viele Fragen ernten viele Antworten, Hinweise und Tips. Besonders nachhaltig verwirrend sind unterschiedliche Professionisten mit unterschiedlichen Meinungen, also Ärztinnen, Hebammen oder Stilberaterinnen. Fairerweise sei an dieser Stelle erwähnt, dass sie es alle wahrscheinlich gut meinen, keine Frage.

Gut bei sich zu bleiben in einer Phase in der man sich emotional so gar nicht auskennt ist fast unmöglich. Ich rede da vom Wochenbett und da speziell vom Wochenbett nach der Geburt des ersten Kindes. Vor lauter Gedanken wie ich mich fühlen soll, hab ich gar nicht mehr gewusst, was ich eigentlich fühle. Ich war traurig und müde. Ich war verwirrt und besorgt. Ich war körperlich erschöpft und wütend darüber, dass ich erschöpft war. Die Unsicherheit war ständig da, bei jeder Entscheidung. Jede Information habe ich wie ein Schwamm aufgesagt. Ständig habe ich im außen nach Bestätigung gesucht, ein „Ja, das machst du gut!“. Mein Verstand hatte null Vertrauen in mich und auf meinen müden Körper, der ja sonst immer funktioniert, wenn ich ihn gebraucht habe, war auch kein Verlass. Ja, Enttäuschung war da auch, denn so hab ich mir das nicht vorgestellt. Das sieht man so nicht. Nirgends. Redet auch kaum wer drüber. Immer nur die schönen Sachen werden erzählt und die rosigen Bäckchen auf Facebook gestellt. Nein, nicht das mit den Augenringen hochladen! Die Wahrheit wollt ich ja zu dem Zeitpunkt auch nicht teilen, war mir ja schon vor mir selber unangenehm, dass es mir so ging. Ich kann das also verstehen. Zusammenfassend kann ich also jetzt sagen, mein Kopf war zu nichts zu gebrauchen – keine normale Entscheidung war möglich. Das hat mich fertig gemacht, vor allem, weil es viel zu entscheiden gibt. Ich war dank guter Hebamme und auch Wochenbettbegleitung relativ gut vorbereitet, aber es gibt einfach auch viele Sachen, auf die man sich nicht vorbereiten kann. Das Stillen zum Beispiel, weiß ja keiner obs klappt oder nicht, und wenn ja wie gut. Bei mir hats nicht so gut geklappt und da waren sie, all die Infos von Freundinnen, Hebammen, Stillberaterinnen – wie gesagt, alle lieb gemeint, aber ich war einfach überfordert. Mein Kopf war überfordert.

Erst als ich gelernt habe ihm eine Pause zu können, durch viel Anerkennung für seine Dienste – „Verstand, du hast mich hierher gut begleitet, hast viele wichtige und richtige Entscheidungen mitgetroffen, hast immer die Erfahrung aus der Vergangenheit abgewogen und warst immer für mich da. Danke! Ich will dass du eine Pause machst. Jetzt zur Ruhe kommst und wartest bis ich dich wieder brauche. Ich möchte, dass der Körper jetzt übernimmt und die Intuition. Die Vergangenheit und die Erfahrung können mir nicht helfen. Ich brauche da mein Gefühl, das mich leiten wird.“, wurde es leichter. Tiefes Vertrauen wuchs in meine Gabe als Mutter. Das Vertrauen, zu wissen was gut ist für mich und mein Kind. Infos wurden per Bauchgefühl entweder aufgenommen oder durchgelassen. Ich habe viel besser gespürt von wem ich welche Infos annehmen kann und will, wem ich vertraue. Der Verstand hat zugesehen und gelernt, die Erfahrungen gespeichert und verarbeitet. Er wurde ein immer besserer Entscheidungsassistent. Das hat alles Wochen gedauert und es gab auch immer wieder Situationen, die mich wieder verwirrt haben oder die mich getroffen haben, die mich zweifeln lassen haben an meiner Mutterrolle. In den ersten Monaten kamen noch so viele Ratschläge und Prophezeiungen, aber die meisten konnte ich belächeln, wahrscheinlich, weil ich nicht nur mit dem Kopf gedacht habe, dass ich es besser für mich und mein Kind weiß, sondern eben auch mit den Körper.

Heute bin ich sehr dankbar über diese Zeit im Wochenbett, weil sie meiner Intuition ein enorm wichtigen Stellenwert in meinem Mamasein gegeben hat. Mit Prophezeiungen tue ich mir aber immer noch schwer: „Bei mir war das so, das kommt dann noch bei dir, wirst sehen.“ Blödsinn! Wir sind alle einzigartig und unsere Kinder auch. Was für den einen anstrengend ist, ist für den anderen eine Leichtigkeit. Im Grunde kann ich doch auch nur aus meiner persönlichen Wahrnehmung heraus einen Erfahrungsbericht teilen, mehr nicht. So versuche ich diese Prophezeiungen auch zu sehen oder ich ignoriere sie einfach. Nicht alles was zu mir kommt hat auch mit mir zu tun, manches will einfach nur vorbei.

4 KOMMENTARE

  1. Da fällt mir gerade mein aktuelles Thema ein : „meine Tochter hat sich die ideale Mutter ausgesucht, nicht die perfekte“
    Das anstreben der perfekten Mutter, was unerreichbar ist, denn das Leben ist unvollkommen. Es stresst mich jedoch es anzustreben, weil die ideale Mutter kommt kaum vor. Wie du schreibst, es werden die süßen Babys gezeigt und das eh alles super ist.
    Wenn ich mal erzähle, dass ich immer wieder Weine, weil ich überfordert bin kommen dann Rückmeldungen, dass ich mutig bin das einfach so zu erzählen.

    So vieles bleibt „im Haus“ und das macht das kleinfamilienleben noch anstrengender.

    Dazu ist mir dieser BlogArtikel von Katja eingefallen:
    http://www.krachbumm.com/2014/08/11/die-erfindung-der-mutterrolle/

    Kathrin

    • Das ist ein guter Satz, Perfektion ist doch auch nur eine subjektive Illusion. Ideal gefällt mir da viel besser. Danke für deine wertvollen Impulse!

  2. Dieser Artikel ist mir gerade untergekommen:
    http://www.mit-kindern-wachsen.de/jedem-anfang-wohnt-ein-zauber-inne

    Besonders schön finde ich:
    Auf die innere Quelle der Intuition vertrauen
    Kinder aber setzen unserem vergangenen Leben ein vehementes „Hier und Jetzt“ entgegen. Und gerade dann, wenn sich dein Kind anders verhält, als du es erwartest, gerade dann, wenn eine Situation anders verläuft als geplant, eröffnet sich dir die Chance, dich wieder und wieder auf Spurensuche zu begeben. Sind es fremde Konzepte, Erfahrungen aus vergangenen Situationen oder ist es deine gegenwärtige Beobachtung und deine Intuition, die dich leiten?

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