Meine Zeit

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Ich habe gerade das letzte Wochenende, als mein erstes ohne Kind und nicht zu Hause verbracht. Nach genau 16 Monaten Mamasein.

Schon bei der vierstündigen Zugfahrt habe ich begriffen ich bin jetzt nur für mich verantwortlich und ich hatte Zeit, die nicht unterbrochen werden konnte. Zwei Dinge, die mich zunächst tatsächlich verwirrt haben.

Ich habe angefangen nachzudenken und ich habe mir die Frage gestellt, was sich verändert hat. Wie ich mich als Mama verändert habe und es ist mir nichts eingefallen. Gar nichts. Leere. Andere Fragen hatten den gleichen Effekt. Wichtige Fragen habe ich mir gestellt, damit ich dann  – heute – davon bloggen kann. Nichts. Wieder Leere.

Und da ist es mein Thema: Leere. Mein erster Impuls war die Leere durch irgendwas zu verdrängen. Sie nicht aushalten, weiter beschäftigen. Die Leere und auch die Zeit wieder mit mir alleine auszuhalten war nicht leicht und ich habe es im Zug auch nicht geschafft. Musik, Videos, lesen, schlafen. Ich bin überhaupt nicht gut mit der Leere und mit dem Nichts. Ich bin gut im Ablenken. War ich schon vor dem Kind. Ich habe aber nie darüber nachgedacht. Irgendwie war es normal, das Fernsehen, das Handy, die Freunde, das Einschlafbuch, der Computer, die Katzen und jetzt halt das Kind.

Erst seit dem Wochenende, seitdem die Leere und das Nichts ein Gut sind, die ich nicht immer und vor allem nicht dann wann ich will abrufen kann, ist es für mich wertvoll darüber nachzudenken. Was bleibt, wenn ich mich nicht ablenke? Wie kann ich in die Fülle gehen ohne die Leere zu kennen?

Die letzte Woche habe ich mich immer wieder versucht, wieder in Kontakt zu kommen mit der Leere, sie wieder in meinem Leben zu begrüßen. Keine leichte Aufgabe für mich, der Leere Aufmerksamkeit zu schenken. Sie zu sehen als einen Teil von mir, wie jeden anderen auch. Den Anspruch zu spüren, dass immer was zu tun ist und dann wieder zurück zu kommen zu dem was jetzt eigentlich wieder Raum braucht. Ich.

Das Wochenende war übrigens super. Ich habe es in jeder Sekunde genossen. Natürlich hab ich an meine Tochter und meinen Partner gedacht, aber ich war im Vertrauen, dass es ihnen gut geht. Ich habe mich auch einfach auf ein Wiedersehen gefreut.

***

Geh ich zeitig in die Leere
Komm ich aus der Leere voll.
Wenn ich mit dem Nichts verkehre
Weiß ich wieder, was ich soll.

Wenn ich liebe, wenn ich fühle
Ist es eben auch Verschleiß
Aber dann, in der Kühle
Werd ich wieder heiß.

Bertolt Brecht

 

© Picture by Julia Puckmayr, sinn-impuls.at

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