Wickeln, ein Drama in mehreren Akten.

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Ich habe ein Problem mit vollen Windeln und meine Tochter (16 Monate) will nicht so wie ich will. Wickeln ist immer ein Drama. Ja, immer. Ich übertreibe nicht. Und zwar ist es ein Drama für mich. Andere würden mich vielleicht belächeln und sagen, he das geht doch eh ganz gut. Ja, mit Ablenkung und Hilfe vom Mann, der sie dann hält oder bespaßt. Aber ich habe da einen anderen Anspruch an mich. Ich will sie nicht ablenken nur damit es für mich passt. Also muss ich was anders machen.

In der Stillgruppe und auch schon davor in der Schwangerschaftsbegleitung von ichfrischgeboren, ging es auch um die Pflege von Säuglingen nach Emmi Pikler. Ich habe mich dann gestern daran erinnert und mir gedacht, das könnte ich mal wieder intensiver ausprobieren. Meine Tochter ist zwar kein Säugling mehr, aber ihre Bedürfnisse haben sich nicht grundlegend verändert, es sind ja menschliche Bedürfnisse die Emmi Pikler respektiert und wahrt, eben von Geburt an. Dazu habe ich folgendes Video gefunden, dass mir sehr geholfen hat mich wieder an den Weg zu erinnern, den ich mit meiner Tochter gehen will:

Der für mich entscheidende Satz ist folgende Annahme:

Wenn man sich zu besonderen Zeiten des Tages dem Säugling intensiv und ausschließlich widmet, und sei es während seiner Körperpflege und seinen Mahlzeiten, dann wird er sich von der Qualität dieser Beziehung ausreichend befriedigt und sich in seinem Inneren so geborgen und gefestigt fühlen, dass er sich danach mit sich selbst, mit seiner Umgebung und mit den anderen Kindern beschäftigen kann. 

Nun habe ich das heute mal probiert und bin, so im Nachhinein ganz zufrieden. Ich habe mir vorgenommen mir jedes mal viel Zeit zu lassen, zu warten wie sie reagiert, ihr genau zu sagen was passiert, sie einzubinden und sie nicht abzulenken. Zweimal hat das super geklappt, widerstandsfrei und entspannt. Danach ist mir einmal die Geduld ausgegangen, das hat mich ziemlich fertig gemacht. Sie wollte einfach gar nicht. Liegen geht sowieso nicht, aber auch stehen wollte sie nicht – sie wollte sitzen. Im Sitzen wickeln schafft nicht mal die geübteste Hand. Da hab ich mir nur gedacht, ich mag das jetzt erledigen und dann bin ich nicht mehr sanft, dann warte ich nicht mehr auf ihre Bereitschaft – da will ich es schnell hinter mich bringen. Kabummm, das hat sie mir zurückgeworfen. Ich bin etwas lauter geworden, fast schon verzweifelt (aber der Tag war dann auch schon lange), dann hat sie mich doch ein wenig unterstützt. Hat sich nicht gut angefühlt.

Geduld brauch ich, mit mir – vor allem mit mir, denn eigentlich habe ich schon von mir erwartet, dass ich sobald ich meine Haltung ändere ich alles ändern kann (in einem Tag!!!). Heute habe ich gelernt, Veränderung braucht Zeit.

Picture by https://pixabay.com/

4 KOMMENTARE

  1. Liebe Julia!
    Oh wie gut kenne ich das. Wenn sitzen dann ist, dann ist sitzen dann…. Geduld haben…. wie geht das nochmal ???

    seit dem wir einen Wickelplatz nach Pikler haben ist die situation viel entspannter. Der Platz ist zum wickeln da und sage zu ihr „ich mach dir jetzt eine frische Windel, bist du bereit?“ und dann warte ich auf ihr signal. wenn sie nicht will, dann sag ich „bitte mach dich bereit, denn jetzt ist wickeln dran, du hast kacki am Popo“

    hier der Wickelplatz, der lässt sich auch gut aus einem altem Gitterbett bauen:

    http://www.spielzeugmacher.at/shop/popup_image.php?pID=338&imgID=0

    herzliche Grüße

    Kathrin

  2. Danke Kathrin! Ich habe die letzten Tage beobachtet, verändert, getestet und gelernt hier meine Erfahrungen:
    1. Ja ich brauche unbedingt einen Piklerwickelplatz, denn die Sicherheit ist einfach am Wichtigsten und wenn ich, egal ob bewusst oder unterbewusst, darüber nicht mehr nachdenken muss, ist schon ein großer Schritt getan.
    2. Jede Form von Widerstand in mir, zeigt sich bei ihr. Ich lasse mich jetzt mehr auf die Situation ein. Jetzt ist eben Wickeln dran und wenn es länger dauert, was solls. Ich nehme mir mit ihr Zeit.
    3. Kinder kooperieren immer! Vielleicht nicht in der Art wie wir uns das vorstellen :). Ist es also wirklich ihr Drama oder meins? Was kann ich lernen über mich und meine Geduld?
    4. Ich achte darauf, dass sie bereit ist gewickelt zu werden und ich achte darauf, dass ich bereit bin (siehe auch Punkt 2)
    5. Routine hilft, dann kennt sie sich aus und weiß was passiert (zB immer nach dem Aufstehen, nach dem Essen, etc).

    So ist es für uns viel leichter geworden!
    Alles Liebe Julia

  3. Hier noch ein dazu spannender Artikel:

    http://www.janetlansbury.com/2013/05/need-your-childs-cooperation-try-this/

    Lese das mit der Kooperation von Kindern und Babies bei Tätigkeiten wie Wickeln, Füttern oder Ähnlichem ja immer wieder und es fasziniert mich. Ich kann nicht sagen, dass es immer klappt. Zum Beispiel wickeln war ja lange ein Thema bei mir, aber das geht momentan ganz gut. Die nächste Challenge wird Nägelschneiden, das geht ohne Ablenkung gar nicht. Aber dann andererseits bin ich, bei Tätigkeiten bei denen ich es nicht erwartet habe, wieder ganz verblüfft wie kooperativ meine Tochter ist. Gut für mich fühlt sich an, weder das eine noch das andere persönlich zu nehmen. Es gibt viele Faktoren und einer bin auch ich, aber eben nicht der Einzige. Alles Liebe, Julia

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