Bedürfnisorientiertheit und Rituale

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Ich habe die letzten Tage nachgedacht: über Bedürfnisorientierung, Rituale und Routine. Geht das alles gleichzeitig? Wann ist was besser für uns? Wieviele Freiheiten braucht Kind und wann ist es besser sich an die Routine zu halten?

Die Frage die ich mir im Alltag immer wieder stelle ist, wann gehe ich direkt auf die Bedürfnisse meines Kindes ein, also Essen dann wenn ich sehe, dass sie hungrig ist, spielen dann, wenn sie will etc – und wann folge ich einem Plan, essen immer 12h, Wickeln immer danach etc. Die ersten Monate, eigentlich das ganze erste Jahr, hat klar Ersteres dominiert, Stillen nach Bedarf, keine fixen Schlafzeiten und Wickeln war auch eher nach Darmtätigkeit als nach der Uhr.

Seit einiger Zeit merke ich aber, dass ihr Rituale echt gut tun. Nun ist sie schon 17 Monate alt und sie kennt sich einfach schon aus, was als nächstes passiert, oder eben was normalerweise als nächstes passiert. Ich muss nicht viel ankündigen, oder sie überzeugen. Beim Einschlafen hört man ja auch immer wieder wie wichtig ein Gute-Nacht-Ritual ist. Da merke ich auch wie gut ihr das tut: Wickeln, Umziehen, Zähneputzen, Buch lesen und dann – irgendwann 😉 – Einschlafen. Jetzt probiere ich es beim Essen und vor allem beim Wickeln. Geht alles viel einfacher und leichter.

Es funktioniert also, trotzdem bin ich nachdenklich. Funktioniert es nur weil diese Routinen aus Gewohnheit die Bedürfnisse auslösen? Gehe ich also gar nicht mehr direkt auf ihre Bedürfnisse ein? Ist das schon der Anfang vom gesellschaftlichen Korsett mit Wecker und co?

Ich habe keine pauschale Antwort gefunden. Mir tut es gut, wenn ich weiß was passiert und ich einen Plan habe. Routine und Rituale bringen Struktur und Klarheit, das wiederum lässt weniger Spielraum für Missverständnisse oder andere Disharmonien. Dadurch bin ich weniger gestresst, ich habe das Gefühl alles unter Kontrolle zu haben, das beruhigt mich. Ich mag das Gefühl nicht, wenn zu viele Bälle in der Luft sind und ich nicht weiß, was ich zuerst machen soll. Routine und Rituale, die schon ins Zellgedächtnis übergegangen sind, funktionieren schon automatisch (ich schwöre euch, beim Kaffeekochen in der Früh schlafe ich noch und trotzdem klappts!). Bin ich weniger gestresst, ist mein Kind auch entspannter. Sie spürt meine Sicherheit und auch meine Bestimmtheit. Struktur gibt uns Raum für anderes.

Damit bin ich schon bei den Dingen, die Routinen und Rituale unterbrechen dürfen. Ich bin nicht sonderlich streng bei der Einhaltung von Routinen, es gibt einfach Situationen, bei denen ich nicht wie gewohnt einfach weiter machen kann. Starke Emotionen zum Beispiel, die mag ich mir dann anschauen, wenn sie da sind und nicht verschieben. Naja und wenn ich aufs Klo muss, muss ich aufs Klo. Oder wenn schon was im Raum schwebt, das angesprochen werden will. Wenn das Handy läutet oder ich wissen will, wie das Wetter morgen wird – wird das Ritual sicher NICHT unterbrochen.

Das heißt es gibt Freiheiten und auch Bedürfnisse die stärker sind als das Bedürfnis nach Struktur und Routine. Die Kunst ist es für mich, diese zu erkennen und dann zu entscheiden, was jetzt  – auch für mich und meine Bedürfnisse – wichtiger ist. Damit ich tun kann, was sich leicht und gut anfühlt, damit ich mich wohl fühle. Ich glaube, dass ein nicht unwesentliches Bedürfnis des Kindes ist, dass es uns auch gut geht – vielleicht ist das sogar wichtiger, als wir manchmal denken.

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