Mama ist müde

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Schlafen ist DAS Thema, das frische Eltern wohl am Meisten beschäftigt. Schon in der Schwangerschaft hören wir als soon-to-be-Mums:“Schlaf dich jetzt noch aus, das wird das letzte Mal sein.“ Na toll, das fängt ja gut an mit der Erwartungshaltung. Die Augenringe von anderen Müttern, erzählen die Geschichten von kurzen Nächten und dass es sich alles auszahlt, wenn das Kind das erste Mal lächelt, nach dem Löffel schnappt, sich am Boden rollt oder andere Entwicklungssprünge macht. Und es ist ja alles nur eine Phase.

In der Schwangerschaftsrealität gab es für mich keinen Platz für die Ängste von Anderen. Mein Kind wird sicher anders, wir machen das besser. Punkt.

Realität

In den ersten Wochen, war ich noch so hormongedopt, dass ich das nächtliche Stillen gar nicht richtig bemerkt habe. Im Wochenbett habe ich auch viel untertags geschlafen, das berühmte Mitschlafen mit dem Kind hat einfach super funktioniert. Beim ersten Kind geht das noch gut. Doch irgendwann kam meine Energie wieder und ich wollte untertags etwas unternehmen. Während also mein Töchterchen friedlich geschlafen hat, war ich im Kaffeehaus, Park oder Spazieren – jedenfalls habe ich meine Nickerchen nicht mehr bekommen. Das habe ich gespürt.

Widerstand

Der Widerwille kam in mir hoch. Meine trotzige Seite hat mir ständig ins Ohr geflüstert: „Du kannst NIE wieder durchschlafen. Beschwere dich!“, oder, „Die einzige Zeit für dich hast du, wenn sie schläft, da kannst du ja nicht immer mitschlafen!.

Ich machte es mir auf einmal bequem in meiner Opferrolle. Ja, das Wenigschlafen war an allem Schuld und bloß keine Verantwortung übernehmen. Das war für mich kein schönes Gefühl. Annehmen, Verantwortung übernehmen und Ändern – das ist sonst meine Devise.

Annehmen

Beim Annehmen geholfen, hat mir ein Zitat, dass ich auf nestling.org entdeckt habe:

„Die Zeit, die unsere Kinder in unseren Armen, an Mamas Brust und in unserem Bett verbringen, ist ein vergleichsweise kurzer Teil ihres Lebens, doch die Erinnerung an unsere Liebe und Verfügbarkeit auch in der Nacht, werden sie ein Leben lang begleiten.“  Sears, William: Schlafen und Wachen (2005)

Ja, es ist anstrengend, nicht mehr Durchschlafen zu können, aber ich entscheide, ob ich es mir schwer mache oder leicht.

Ich habe immer Handlungsspielraum. 

Verantwortung

Und da bin auch schon beim zweiten Punkt, Verantwortung übernehmen, also den Handlungsspielraum mal abseits von Widerwille und Sturheit, möglichst neutral analysieren.

Erstens: Dinge, die funktionieren beibehalten und vertiefen, oder wie ich in der IT-Welt gelernt habe, never change a running system. Vor allem, wenn auch die Intuition sagt es passt.

Gut funktioniert, von Tag eins, hat das Familienbett. Wir haben für unsere Tochter ein Beistellbett organisiert, ich konnte sie in der Nacht gut stillen und dann auch wieder auf ihre Seite legen. Oft bin ich während dem Stillen mit ihr wieder eingeschlafen, dann hat sie zwischen mir und meinem Partner geschlafen. Der hat im Übrigen selten mitbekommen, wie oft ich sie stille. Ganz klarer Vorteil, niemand musste aufstehen. Ich habe auch solange gestillt, solange wir beide das wollten.

Gut funktioniert hat auch, dass ich mir am Vormittag nichts vorgenommen habe, weil sie recht bald nach dem Aufwachen nochmal ein langes Vormittagsschläfchen gemacht hat, dass ich auch nochmal genutzt habe. Das hat mir viel Stress genommen.

Gut funktioniert hat darauf zu vertrauen, dass ich das schaffe und mein Körper genug Schlaf bekommt. Das Leben gibt mir nur Herausforderungen, die auch bewältigen kann.

Zweitens: Kinder kooperieren immer. Die Frage, was kann ICH aus der momentanen Situation lernen, ist immer eine Gute und selten eine Leichte.

Ich habe zum Beispiel, mittlerweile ein recht gutes Verhältnis zum Thema schlafen. Es hat mich aber auch einiges an Persönlichkeitsentwicklung gekostet, mir meinen Schlaf auch richtig zu gönnen. Ich bin ein Langschläfer und in unserer Gesellschaft ist das von Nachteil. Zeit ist Geld und Schlafen braucht Zeit – schlechte Kombi in Zeiten von immer schneller, immer besser und immer früher. Dieser Leistungsdruck projiziert sich auch auch schnell auf die Kinder, denn wenn die Kinder sehr bald unabhängig durch schlafen, sind wir auch wieder leistungsfähiger.

Oder sind wir es vielleicht nicht gewohnt über etwas wie den Schlaf, weder den eigenen noch den der Kinder, keine Kontrolle zu haben?

Drittens: Man muss nicht alles alleine schaffen. Wir Mütter denken das leider zu oft. Unterstützung annehmen ist wichtig. Das Kind mal einen Vormittag zur Großmutter? Sich eine Shiatsu gönnen? Schlafen statt Putzen? Go for it. Was auch immer gerade an Unterstützung da ist, annehmen. Oft ist das auch eine tolle Erfahrung, wenn der Papa mal am Wochenende alleine mit dem Baby raus kann. Oder die Oma beim ersten Fingerfood begleitend dabei ist.

Schlafen hat auch was mit Loslassen zu tun, vor allem das Einschlafen. Wir lassen los vom wach sein und vertrauen darauf, dass wir wieder gut aufwachen werden. Stimmt etwas mit unserem Loslassen nicht, so können es auch die Kinder nicht von uns lernen.

Veränderung

Hin und wieder hat meine Tochter die Parameter geändert. Zum Beispiel wollte sie das Einschlafstillen irgendwann nicht mehr. Nach einem Moment der Panik bin ich drauf gekommen, dass sie auch nichts anderes wollte. Einfach nur meine Nähe hat gereicht. Ich denke sie war damals einfach bereit eigenständig in den Schlaf zu finden. Ich habe sie einfach nur beobachtet und war da falls sie mich gebraucht hätte. Ich fand es einfach nur schön, dass ich ihr die Zeit für diesen Entwicklungsschritt geben konnte.

Anders war das beim Nachtstillen. Irgendwann war für mich klar, dass ich eine Veränderung brauche und so habe ich ihr nach 11 Monaten gesagt, dass es jetzt genug ist für mich. Wir haben es ausprobiert, 3 Nächte lang hat mein Mann sie getröstet und in den Schlaf begleitet. Ich habe im Wohnzimmer geschlafen. Es hat geklappt, ohne langem Schreien, denn dieser Preis wäre mir persönlich zu hoch gewesen.

Es ist also ein Ausprobieren, Hineinspüren, Beobachten UND Unterstützung holen, wenn es nicht mehr geht, denn Schlafmangel ist, bei aller Liebe zum Kind, auch eine Foltermethode.

Weiterführende Links:

http://www.nestling.org/die-3-meistgelesenen-babyschlaf-artikel/

http://www.mit-kindern-wachsen.de/die-kunst-den-schlaf-kommen-zu-lassen

© Picture by pixabay.com

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