Der Knick mit der Karriere

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Ich bin diese Woche auf eine Webseite von einer Consulting Firma gestossen, bei der tatsächlich 4 von 4 Managing Directors Männer sind und 5 von 6 Assistenzjobs von Frauen besetzt sind. Männer machen Karriere und Frauen die Supportjobs. Und ich nehme an, die Firma ist kein Einzelfall.

Mich hat das wütend gemacht. Ich habe mir gedacht, verdammt nochmal es ist 2015. Warum ist das immer noch so?  Und warum ist das bei mir so? Ich sitze ja auch so empfunden in der Teilzeitfalle und weiß ich nicht ob und wie ich da raus will. Ich bin gut ausgebildet, habe meine Karriere ins Rollen gebracht, bin Mitte/Ende 30 Mama geworden und jetzt?

Karriere vs Teilzeit, Karenz und Wiedereinstieg

Bin ich mit Teilzeit, Karenz und Wiedereinstieg ist ein gigantisches Feld voller Vorurteile, Unsicherheiten und Ängste geraten.

Die Woche zum Beispiel sagt ein Kollege zu mir, dass der Wiedereinstieg nach dem zweiten Kind sicher ganz anders wird als nach dem ersten, weil ja dann die Pause länger ist (Hä?) und mein Netzwerk dann nicht mehr da (Doppelhä?). Ich habe ihm dann darauf gesagt, dass man mir mein Netzwerk ja nicht geschenkt hat, sondern dass ich mir es aufgebaut habe und wenn ich das einmal gemacht habe, werde ich das (immer) wieder schaffen. Gute Leute finden mich, habe ich ihm gesagt. Nicht meine Angst also, aber offensichtlich die von Anderen.

Oder die Vorstellung einer Beförderung oder Gehaltserhöhung, die rückt sobald man in Teilzeit ist auch auf einmal ganz weit weg. Riesenchancen gibts dann keine mehr. Eher dann so Adminsachen, leicht und einschätzbar, am besten auch noch unstressig und ja nicht im Ausland oder so.

Und was macht das mit mir? Ich will das alles nicht glauben und frage mich ob ich mich nun wirklich zwangsläufig entschieden habe, für meine Kinder und gegen meine Karriere.

Lösungen suchen

Da muss es doch auch noch andere Blickwinkel geben zum Beispiel, wenn statt einer 40 und der andere 20 Stunden, beide 30 Stunden arbeiten. Klingt doch fein. Wäre da eben nicht dieses gigantische Feld an Vorurteilen, die es verhindern, dass dann beide Karriere machen. Vom Gender-Pay-Gap mal ganz zu schweigen.

Im Interview mit  suedeutsche.de hat die Soziologin Jutta Allmendinger diese Idee aufgegriffen und beschreibt sehr treffend warum dieses Modell für Männer nicht attraktiv ist:“ Im Moment lernen Männer eines: dass Frauen in Teilzeit nicht weiterkommen. Und das projizieren sie auf sich selbst, was man ihnen nicht mal übel nehmen kann.“

Ergo: Die Männer gehen nicht in Teilzeit und Karenz, weil es für die Karriere und das Einkommen nachteilig ist, die Frauen bleiben bei den Kindern und machen keine Karriere, weil sie in Teilzeit und Karenz sind.

Klingt also nach einem Teufelskreis und ich kenne niemanden der in Teilzeit Karriere gemacht hat, oder auch nur einen Gehaltssprung herausverhandeln konnte – also jemanden der es als Vorbild geschafft hat aus dem Teufelskreislauf auszubrechen.

Genau dieser vorurteilbehaftete Teufelskreis scheint auch das ursächliche Problem zu sein, warum Jutta Allemendigers vorgeschlagene Lösung für ein Leben mit Kind und Karriere, bei dem Vater und Mutter für einen Lebensabschnitt in Teilzeit gehen, wenn die Kinder oder Angehörige vermehrt Unterstützung brauchen, dafür aber dann im Alter länger arbeiten, noch nicht funktioniert.

Sie schreibt es braucht Mut. Nicht für die Frauen. Für die Männer. Mut sich auch die Zeit für die Familie zu nehmen, ohne Sorge um die Karriere und die finanzielle Sicherheit.  Und ich habe das Gefühl, das wollen die meisten Männer auch, die sich bewusst für Kinder entschieden haben. Es fehlt eben noch die Akzeptanz in vielen Köpfen, wie auch in dem von meinem Kollegen, der meinte Wiedereinstieg mit zwei Kindern ist schwierig.

Selbst umdenken

Natürlich fällt es mich schwer, mich von diesen Ängsten zu distanzieren und mir immer wieder zu denken, bei mir wird das sicher anders. Mit dem Strom der Ängste mit schwimmen ist auch so schön bequem. Die Komfortzone, die die Gruppe bietet, ist gut vorgewärmt. Anders zu sein, vielleicht dann auch noch den Mann und die Familie zu überzeugen, sich im beruflichen Umfeld beweisen, all das klingt nach Aufwand. Das hinterfrage ich natürlich mit einem großen „Warum?“. Andererseits kann ich doch auch nicht wirklich sagen, ich leg beruflich die Beine hoch und mach mal nichts. Ich und viele in meiner Generation, vor allem die wir viel Zeit in unsere Ausbildung gesteckt haben, wollen nicht „nur“ Mama sein und dann auch noch womöglich finanziell abhängig sein – mit der aktuellen Scheidungsrate und der Pensionslücke als Damoklesschwert direkt über unseren Köpfen.

Mut und Vertrauen braucht es also, auch mal die Erste zu sein, auch mal zu scheitern, auch mal neugierig zu hinterfragen und auch mal zu fordern was man will.

© picture by pixabay.com

1 KOMMENTAR

  1. Hi Julia! Ich denke, dass „Vorurteil“, es steht in deinem Text für das Subjekt, ist nicht das eigentlich Problem. Die Macht ist es, die so gar nicht recht auf deiner Seite steht. Das Vorurteil ist der Vorschub, der Vorschub vor die Macht, die dich nicht will, die dich nicht (in höherer Position) erwenden will. Das Vorurteil ist einem Interesse geschuldet, aus ihm geboren. Es lääst sich tatsächlich alles anders organisieren. Nur jemand will es nicht. Aber dieser Wille bleibt gerne im Dunkelm. Ihm ist das „Vorurteil“ schon recht. Da hat jemand gerechnet. In seine Tasche. Und. Das ERgebnis der REchnung bestimmt den Umgang mit dem Personal.Man lässt plappern über gute Ideen, über personalfreundliche Ideen. Über Gedergerechtigkeit, usw. Wir sind ja so demokratisch! Die Macht ist beim Eigentum und bei seinem Gewinn aus dir, deiner Verwendung. Man hat das alles abgecheckt, alle Spielarten durchgerechnet, was die Aussicht auf den größeren Gewinn hat, wird durchgesetzt. Weil es die Macht dazu hat. Und die ganze Politk will das ebenso. Bürgerliche Politik. Nur die Demokratie erlaubt uns zu quaseln über ie und die variante, die auch unsere Bedürfnisse berücksichtigt. Nur wenn wir dem Kapital einen Vorschlag machen, das ihmeinen höheren Mehrwert verspricht, machen wir ihm einen berücksichtigbaren und für es attraktiven Vorschlag. Da winken dann mitunter sogar Verbesserungsprämien. Aber behalte deinen Mut. und kämpfe, schon um der wichtigen ERfahrungen wegen. Ich wünsche dir immer sachlich zu bleiben, nicht persönlich zu weerden. Die menschen sind nur Marionetten ihrer Rolle, ihrer sozialen Rolle. Es hat mit ihnen als Mensch nichts zu tun, was sie tun im Beruf. Auf Youtube habe ich den Joe Kreissl gefunden, einen Freemen, der sagt wichtiges über unsere sozialen Rollen, die wir in dieser Gesellschaft zwanzweise umgehängt bekommen/juristisch politische Verkleidung oder Einkleidung, die zählt, einzig zählt/und wie wir uns als Menschen verleugnen müssen.Gruß! Flo

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