Die Straßenbahnmeditation oder Achtsamkeit für unterwegs

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Ich bin es schon so gewohnt, mich ständig abzulenken, dass ich vor dem Nichtstun richtig Respekt habe. Achtsamkeit, den Moment wahrnehmen und hinschauen, Atmen, Gehen, den Körper spüren, meditieren … all das klingt langweilig und so verdammt ungewohnt.

Ich halte Langeweile nicht gut aus, bin eigentlich gern immer gut beschäftigt und das iPhone wurde für Leute wie mich erfunden.

Neulich wollte ich es anders haben. Mal wieder testen wie sich das anfühlt so ohne Ablenkung. Also habe ich am Weg ins Büro die Straßenbahnmeditation für mich entdeckt.

In der Straßenbahn habe ich mal nicht ins Handy gestarrt und habe auch mal nicht an gestern, morgen oder die nächsten Stunden nachgedacht. Ich habe mir keine Sorgen um die Krisen dieser Welt gemacht. Mir nicht gedacht was mein Kind gerade macht und auch nicht darüber philiosophiert wo ich herkomme und welchen Einfluss die Vergangenheit auf mein Sein hat.

Ich habe mein Hirn ausgeschalten und geatmet. Ganz achtsam habe ich meinen Atem beobachtet ohne ihn zu verändern. Wie eine Boje im Wasser, habe ich mich der Wellenbewegung meines Atems hingegeben. Die Ruhe und die Kraft gespürt die von dieser Verbindung zwischen meinem Geist und Körper ausgeht gespürt.

Zuerst war sie da, die Sorge, was mach ich jetzt?

Dann kam die Macht, die Macht über den Moment. Ich habe die Freude gefühlt die sich mit jedem Atemzug ausbreitet. Die Schönheit die ich ausstrahle und die mein Leben mir bietet. Die Sicherheit die dieser Augenblick inne hat, die Wurzeln die mich begleiten.

Zwei Stationen später bin ich mit einem Grinsen ausgestiegen.

Der Tag danach war  anders, als die davor. Als ob ich immer eine Extraportion Kraft und Ruhe dabei gehabt hätte.

Früher hatte ich oft die Erwartungshaltung, dass Meditationen Ruhe und Zeit brauchen und habe deswegen gar nicht erst damit angefangen. Dieses Erlebnis in der Straßenbahn hat mir gezeigt, dass ich immer und überall achtsam sein kann und dass ich Minimeditationen einbauen kann, wann auch immer ich sie brauche.

Inspiriert hat mich unter Anderem folgendes Buch, dass ich an dieser Stelle auch gerne weiter empfehle: Thich Nhat Hanh – Versöhnung mit dem inneren Kind

© picture by pixabay.com

2 KOMMENTARE

  1. Finde ich toll, wenn du das unterwegs so umsetzen kannst. Ich brauche wirklich meine ruhe, sonst kann ich mich gar nicht konzentrieren. Unterwegs gelingen mir nur ganz kurze Momente (ist ja auch ok :-D) Was wirklich gut für die Praxis ist, sind gemeinsame Treffen, ich versuche einmal die Woche zur Meditation zu gehen, vielleicht hast ja mal Lust mitzugehen. (gibt übrigens in Wien auch eine Thich Nhat Hanh-Gruppe). Auch gut klappt Achtsamkeit bei alltäglichen Routinen z.B. unter der Dusche, da brauch ich aber immer ein Post it als Erinnerung 😀

    Liebe Grüße,

    Birgit

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