Wenn du denkst, dass du eine schlechte Mutter bist …

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Wenn du denkst dass du eine schlechte Mutter bist

… dann kümmerst du dich wahrscheinlich nicht genug um dich selbst.

Ich habe mir vorgenommen, meine Kinder immer liebevoll und respektvoll zu behandeln und dann bin ich müde oder einfach nur gestresst und dann passiert es, meine Stimme wird doch laut, oder ich greife zu Mitteln, die ich nie einsetzen wollte (ist der Schlecker jetzt Ablenkung, Belohnung oder einfach nur so?).

Im Nachhinein, wenn wieder Ruhe eingekehrt ist, denke ich mir dann, war das wirklich notwendig? Ist doch alles nicht so schlimm, oder? Oder es überkommen mich Selbstzweifel:  bin ich eine gute Mutter – auch wenn ich mal schreie/weine/fluche?

Ich beruhige mich dann, in dem ich mir denke, ich bin ein Mensch und es geht wahrscheinlich allen mal so.

ABER: ich sehe es auch als Warnung.

Die Warnung, dass ich mich nicht genug um mich kümmere. Denn es passiert immer dann, wenn ich selbst müde und gestresst bin.

Deswegen mache ich seit ein paar Tagen folgende Übung, die ich eigentlich aus dem Berufsalltag aus der Burnout Prävention kenne:

Ich stelle mir vor meine Energie ist wie auf einer Tankanzeige ablesbar – der Pegel geht von 0% bis 100%. Ziel ist es mit noch ca 20-30% ins Bett zu gehen. Dann habe ich genug Energie, den Tag ausklingen zu lassen, vielleicht noch ein Buch zu lesen oder auch Zeit mit dem Partner zu verbringen.

Puh. Die letzten Tage habe ich das mal getestet und meinen Energiepegel immer gut im Auge gehabt. Meine Erkenntnis, es gibt so schwarze Löcher, die meine Energie schwups wegsaugen. Grad noch in den entspannten 55% fällt der Pegel rapide ab sobald eine der folgenden Situationen eintritt:

Beide weinen:

Das Baby weint und das große Kind quengelt. Wir sind noch dazu im Supermarkt. Es ist nach 18h. Alle meine Vorsätze sind dahin. Ich schwitze. Energiepegel: Kurz vorm Auszucken.
Ich atme 5 mal tief ein und aus.

Damit komme ich wieder in die Lage rational zu entscheiden was am Wichtigsten ist, um zu vermeiden, dass ich meine Kinder verzweifelt anbrülle (die können nämlich nichts dafür!). Zahlen, Stillen, Heimfahren. Meinen Kindern teile ich meinen Plan mit Bestimmtheit mit. Das Baby weint immer noch, die Große hats verstanden. Kaum aus dem Supermarkt draußen stille ich meinen Sohn und komme zur Ruhe. Zu Hause schnaufe ich nochmal durch. Energiepegel wieder im gelben Bereich.

Ich will die Harmonie erhalten:

Vor allem in Bezug auf meine Zweieinhalbjährige ist es nicht immer einfach meine Bedürfnisse durchzusetzen. Das liegt nicht an meinem Kind, sie ist ein Kind. Sondern daran, dass ich den Konflikt vermeiden will, den das vielleicht auslöst. Folgende Situation: Ich will meinen Kaffee trinken und nicht schaukeln/spielen/basteln. Sie schon. Wenn ich ihrem Bedürfnis folge, dann vermeide ich erfolgreich den Konflikt, laufe aber in Gefahr, dass ich dann später am Tag vielleicht im leerem Tank dasitze. Ich brauch meine Kaffeepause.

Folgende Strategie hat sich bei mir in solchen Situationen bewährt. Meine Pausen lege ich so an, dass ich noch genügend Restenergie habe um den möglichen Konflikt gut begleiten zu können. Das heißt,  ich sage meiner Tochter was ich will oder eben nicht will und sie reagiert, verständlicherweise manchmal mit Frustration. Hin wieder auch unangenehm laut. Ich nehme ihre Gefühle ernst und höre ihr zu, dazu braucht es Energie und Achtsamkeit. Dafür ist, sobald der Raum für die Frustration da war, erstaunlich schnell wieder Ruhe und Zeit für meine Pause.

Pausen also lieber früher ansetzen, bevor ich auf Reserve laufe.

Ich nehme mir zu viel vor:

Gut das ist ein Klassiker. Da noch schnell den Kasten sortieren. Die Steuer machen. Freunde treffen. Alles mit Baby und Kind. Meiner Meinung nach hilft hier nur Priorisieren und auch mal die Schmutzwäsche sein lassen.

Ich mag Mitleid:

Manchmal muss ich wohl noch arm sein, dann ist einfach alles kacke. Kurz tut das gut aber dann wird’s nur noch schlimmer. Denn ist die Verantwortung mal an den Nagel gehängt und sind die „äußeren Umstände“ für schuldig erklärt, rinnt die Energie nur so in den Gulli. Die Eskalation ist dann das krönende Ende, das mich in meiner Armut auch noch bestätigt. In solchen Situationen ist die Reserve auch schon aufgebraucht und ich brauche dringend eine Kehrtwende.

Also raus aus der Opferrolle, Annehmen was ist und die Verantwortung behalten. Ich sitze immer noch am Steuer!

Ich will beide Kinder immer im Fokus haben: 

Manchmal wundere ich mich, dass sich das eine Auge nicht schon nach links und das andere nach rechts gedreht hat. Immer beide im Auge haben ist unmöglich. Und: Multitasking kostet Energie, viel Energie. Wenn ich meine Aufmerksamkeit ständig auf beide Kinder und auch noch das Rundherum richte, bin ich nach 30min platt.

Deswegen habe ich in den letzten Tagen gelernt beide auch mal für sich zu lassen. Ich bin echt beeindruckt, denn den Kindern tut das richtig gut. Auf einmal merke ich wieviel Kompetenz in den Beiden steckt. Unabhängigkeit war mir immer schon wichtig, aber jetzt merke ich erst, dass ich – bevor mein Sohn geboren wurde – doch immer wieder dem Impuls zu helfen, zu früh gefolgt bin. Erst jetzt merke ich wie gut meine Tochter schon alleine auf die Schaukel klettert, sich die Socken anzieht oder die Wasserflasche aufdreht. Ich sehe richtig wie stolz sie das macht. Auch mein Sohn, mit erst 2 Monaten hat Kompetenzen die ich früher gar nicht wahrgenommen habe. Er genießt es förmlich nach dem Schläfchen noch im Bett oder Kinderwagen zu liegen und einfach mal zu schauen. Früher bin ich da immer gleich hingestürmt.

Für beide bin ich da, wenn sie mich brauchen und ich vertraue ihnen, dass sie sich melden, denn das können sie.

 

Mein Fazit nach den letzten Versuchstagen im EigenLab:

Der Spruch – gehts mir gut, gehts uns allen besser – stimmt wirklich.

Deswegen ist es wichtig, dass ich die Verantwortung für mein Wohlbefinden übernehme und die Rahmenbedingungen auch so schaffe, dass das möglich ist. Das heißt auch so banale Dinge wie nicht nach 18h mit beiden einkaufen gehen, genügend Pausen machen, mir Unterstützung gönnen, usw. Das heißt auch, dass ich mir überlege was mir guttut und wie wir alle gemeinsam viel Spass haben können – ohne, dass irgendwer ein Opfer bringt ;).

© picture by pixabay.com

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