Leicht, Leichter – Leichtigkeit?

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Die Kategorie Leichtigkeit gibt es ja schon länger und nun steht es auch in meinem Blogtitel: Impulse über Achtsamkeit, Leichtigkeit und Gelassenheit im Leben mit Kindern.

Aber was heißt Leichtigkeit denn eigentlich für mich?

Für mich ist Leichtigkeit mehr als Optimierung oder Paretos 80:20 Prinzip (großer Fan übrigens). Denn egal wie gut ich diese Prinzipien anwende, solange ich noch nicht in allen Zellen davon überzeugt bin, dass es auch leicht geht, werde ich mich immer wieder sabotieren. Das hat damit zu tun, dass wir unsere Wirklichkeit durch unsere Gedanken beeinflussen. Denke ich also, es wird eh sicher wieder mühsam, handle ich unterbewusst so, damit diese Prophezeiung auch wahr wird. Es wäre für uns viel zu ungewohnt, wenn unsere Prophezeiungen immer voll daneben liegen. Wir geben uns also immer ein bisschen Recht: „Siehst du, voll mühsam, sag ich ja!“. Natürlich funktioniert das in manchen Fällen auch in die andere Richtung, denke ich mir es wird sicher klappen, erhöhe ich damit auch meine Chancen, dass ich alles daran setze, dass es auch klappt.

Leichtigkeit, ein Mindset für das man sich bewusst entscheiden kann

Grundlegend ist, dass wir möglichst viele Glaubenstrukturen, die es uns bis jetzt schwer gemacht haben, ersetzen. Das klingt jetzt vielleicht total kompliziert und mühsam, gleichzeitig sind wir schon mitten in der, in diesem Artikel beschriebenen Übung.

Zu Denken es ist mühsam und kompliziert, macht die Sache mühsam und kompliziert!

Negative Muster erkennen

Der erste Schritt ist also, wenn wir an gewisse Tätigkeiten denken, Worte wie: anstrengend, mühsam, unmöglich, geht nie, ist immer, usw, zu identifizieren. Zum Beispiel, es ist einfach unmöglich mit beiden Kindern einkaufen zu gehen, ins Bett bringen geht nie ohne Drama, kein Kind lässt sich gerne die Fingernägel schneiden, … you get the idea :).

Suche dir also eine Situation aus, die du mit mehr Leichtigkeit meistern möchtest.

Entdecke die Situation neu

Der nächste Schritt, versuche diese Situation neutral zu sehen und nimm dir viel Zeit! Ich zum Beispiel habe den Glauben, dass es am Abend immer anstrengend ist mit beiden Kindern alleine daheim. Die Große muss essen, der Kleine wird schon müde, zwei Hände reichen nicht … bla bla. Ich gehe schon gestresst in die Situation – DER Nährboden für Drama und Eskalation. Stattdessen versuche ich mir gar nichts zu denken und lasse mich auf die Situation ein, wie sie kommt. Wichtig ist dass ich Zeit habe, also nicht 5 Minuten bevor die Kinder ins Bett sollten, erst heim kommen und dann noch mit schlechtem Gewissen ein Wurstbrot auftischen.

Ich atme also durch und gehe möglichst offen und entspannt in die Situation. Was fällt mir auf? Was ist besonders? Wann wird es vielleicht mühsam? Was passiert da?

Ich werde zur neugierigen Beobachterin.

Nimm dir mit jeder Erfahrung Positives mit

Alleine die Änderung meiner Einstellung nimmt schon viel Stress raus, ich bin einfach viel offener für Positives. Genau das ist auch der nächste Schritt. Jedesmal nehme ich mir positive Erlebnisse mit und erinnere mich auch ganz bewusst an Dinge, die gut geklappt haben. Das stärkt meine positive Haltung zu der Situation, die früher Stress ausgelöst hat (oft bevor es überhaupt stressig war).

Zum Beispiel gehe ich mittlerweile davon aus, dass meine Große gut alleine spielt, während ich mich ums Baby kümmere oder stille. Es funktioniert auch nicht immer, aber meine Haltung zeigt meinen Kindern, dass ich es ihnen und mir prinzipiell zutraue – das alleine lässt die Erfolgschancen in die Höhe schnellen.

Formuliere ein neues Mindset

Mit jedem Abend, den ich also alleine meistere verändere ich auch meine Erwartungshaltung in eine positive Richtung. Ich bin dabei nicht übertrieben optimistisch. Ich nenne es eher Realitätsoptimismus. Denn für mich ist wichtig, dass ich am Ende sagen kann: „Siehst du, super gelaufen – wie geplant.“ Wenn ich jetzt zu optimistisch bin, würde ich mich ja auch wieder enttäuschen, weil sind wir uns ehrlich, es ist manchmal einfach anstrengend.

Die Tendenz ist aber positiv nach oben und meine Gedanken, an einen Abend ohne Mann, lösen jetzt keine voreiligen Schweißausbrüche mehr aus. Meine Gedanken dazu sind im Vorfeld neutral bis positiv. Ganz bewusst habe ich diese auch neu formuliert.

Klingt ja jetzt gar nicht so kompliziert, also einfach mal ausprobieren.

Eine kleine philosophische Anmerkung zum Schluss

Ohne die Schwere gäbe es keine Leichtigkeit. Sie gehört also zum Leben dazu. Sie wird also nicht weggehen durch die obige Übung. Das anzuerkennen ist ein wichtiger Schritt, denn ohne die Anerkennung tritt die Schwere vielleicht lauter auf die Bühne, als es uns manchmal lieb ist. Die Erschöpfung also zuzulassen und auch mal zu sagen, ich schaff das nicht mehr, ist menschlich.

Gleichzeitig glaube ich, dass wir uns es nicht unnötig schwer machen müssen, dass es nicht notwendig ist permanent, immer wieder in den gleichen Situationen festzustecken. Darauf zielt dieser Artikel ab.

 

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© picture by pixabay.com

4 KOMMENTARE

  1. Liebe Julia, danke für diesen Artikel! Mir ging es immer genauso – Abende alleine mit den zwei Zwergen ohne Papa waren eine schlimme Vorstellung! Aber ich habe dem Großen schrittweise zugetraut, sich alleine zu beschäftigen, und versuche an solchen Tagen auch besonders drauf zu schauen, dass es MIR gut geht (Stress rausnehmen, keine zu hohen Ansprüche aben, und Hilfe annehmen), dann funktioniert das schon ganz gut. Diese Woche ist mein Mann sogar ein paar Tage auf Dienstreise und ich hoffe, dass wir es auf diesem Weg gut meistern werden. Eine ganz klare Tagesstruktur ist für uns immer sehr wichtig! Alles Liebe, Dani

    • Das klingt super Dani. Das mit der Struktur hätte ich auch gerne, bekomme ich nur leider nicht so hin – beim ersten Kind ging das ganz gut, nach ihr konnte ich dir Uhr stellen, aber mein Sohn ist irgendwie total „zufällig“. Eher so chaotisch wie ich. Aber er ist erst 8 Monate ich habe noch Hoffnung ;).

      Alles Gute für die Dienstreise und danke für dein Feedback zu meinem Artikel! Alles Liebe Julia

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