Auf die Haltung kommt es an

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Ich erlebe immer wieder Mamas (noch nie Papas), die sich schlecht fühlen. Schlecht, weil das Stillen nicht klappt, weil der Kinderwagen doch bequemer ist als die Trage, weil „Fremdbetreuung“ (allein das Wort) notwendig ist, weil sie mit Kaiserschnitt geboren haben (ja, wirklich!) oder weil sie mal aus Erschöpfung ihre Kinder anschreien.

Generell sind das alle gute Eltern, die auch viel geben. Jeden Tag. Die ihre Kinder lieben und ihnen nur das Beste wollen. Die einfach an ihre Grenzen geraten. Weil Kinder auch anstrengend sind. Weil sie uns emotional fordern. Weil es selten einen freien Tag gibt. Oder Krankenstand. Weil wir die Kontrolle aufgeben müssen, weil da immer jemand ist, der die Kontrolle jederzeit übernehmen kann. Weil wir auch mal nächtelang nicht schlafen. Weil wir einfach mal was zu Ende bringen wollen und es einfach nicht gelingen mag.

Kinder stellen unser Leben um. Sie verändern. Das ist viel.

Ich sag, hören wir auf so streng zu uns zu sein. Denn was zählt ist, dass die Kinder satt sind und geliebt werden. Dass sie es warm haben und eine Schulter zum ausweinen haben. Dass sie ihre Geschichte und ihr Leben mit uns teilen können. Dass wir da sind, als Mensch mit all unseren Emotionen und Grenzen.

Es geht also weniger darum was wir machen, sondern wie wir es machen.

Es geht darum mit welcher Haltung wir unseren Kindern begegnen.

Das bestgekochte biodynamische Essen kann seinen Sinn verfehlen, wenn wir nicht gemeinsam Freude am Essen haben. Dann lieber eine lachende Pizza als ein weinendes Gemüselaibchen. Denn die Seele isst mit.

Ich bin mir sicher, dass es Kindern gut tut, wenn sie getragen werden. Das ist schön. Ich schaffe es aber nicht. Ich will noch Energie haben am Abend. Für meine Große, für mich, für meinen Partner. Und genau diese Haltung habe ich wenn ich meinen Sohn in den Kinderwagen lege, ich bin trotzdem verbunden mit ihm. Ich bin trotzdem da. Und das spürt er, da bin ich mir sicher.

Und hätte das Stillen nicht geklappt, hätte ich Ihnen auch beim Flascherl geben tief in diese wunderbaren Babyaugen geschaut. Hätte ihnen die Nähe und Liebe genauso gegeben. Hätte ihnen die Milch und die Nahrung gegeben, die sie brauchen, auf allen Ebenen. Das ist die Kraft der Haltung.

Ich weiß, dass ich nicht alles „schaffe“ was die Ratgeber so raten.

Ich mache die Dinge die sich gut anfühlen und die leicht gehen. Und die anderen Dinge? Die lasse ich einfach, vielleicht wird das ja noch, oder auch nicht.

Was ich aber immer versuche ist auf meine Haltung zu achten und all meine Entscheidungen respektvoll aus Liebe zu treffen. Gelingt es mir immer. Nein. Ich bin auch nur ein Mensch.

Deswegen verurteile ich keine Eltern mehr, denn wer weiß, vielleicht ist die leicht abwesende Mama, die im Park mit dem Handy telefoniert, vor dem Einschlafen die beste Geschichtenerzählerin?

© photo by sinn-impuls.at

3 KOMMENTARE

  1. Ein sehr schöner Artikel – der bestimmt vielen aus der Seele spricht. Ratgeber hin oder her – jeder Mensch – jedes Kind ist individuell. Ich glaube wer nach bestem Gewissen und von Herzen handelt, macht es richtig. „Perkekt“ gibt es nicht – schließlich sind wir alle Menschen – und haben das Recht „individuell und UNperfekt“ zu sein 🙂 lg Melanie – http://www.honigperlen.at

    • Liebe Melanie, ja deine Worte sollten wir uns echt immer wieder ins Gedächtnis rufen. Unperfekt macht uns ja auch aus, sonst wären wir auch alle gleich (perfekt).
      Alles Liebe Julia

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