Was heißt denn ich soll authentisch sein?

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Was heißt denn ich soll authentisch sein?

Oft lese ich Kinder brauchen authentische Eltern. So mit allem was dazu gehört. Allen „Fehlern“ und Emotionen. Aber was heißt das denn genau? Bin ich nicht immer ich?

Die Definition besagt: authentisch, den Tatsachen entsprechend und daher glaubwürdig.

Joooooo … Puhhhhh … das setzt mich jetzt etwas unter Druck. Tatsachen? Glaubwürdig? Das klingt nach Arbeit.

Ich analysiere mein Verhalten: natürlich sag ich auch Dinge, die ich nicht so meine. Weil ich müde bin. Weil ich grad keine Lust auf Auseinandersetzung habe. Weil ichs nicht anders gewohnt bin. Das passiert doch jedem.

Bin ich deswegen unauthentisch?

Ich analysiere weiter. Mir geht es nicht darum immer das zu sagen was ich mir denke. Muss ich auch nicht, kann ich auch nicht. In den Momenten in denen ich etwas sage, das nicht zu dem passt was ich fühle, kann ich nicht anders (sonst würde ich es ja machen). In meiner Welt bin ich also sehr wohl authentisch – sind ja meine Tatsachen, dass ich freundlich bin obwohl mir gerade alles ganz schön am Senkel geht. Da bin ich also jetzt, in meiner Logik, fein raus.

Aber die Glaubwürdigkeit, die ist natürlich ein Hund.

Denn meine Kinder spüren, wenn das was ich sage so gar nicht zu dem passt was ich fühle oder denke. Und das zeigen sie mir auch. Gerade wenn ich Grenzen aufzeigen will. Oh Mann, diese Grenzen…. aber das ist ein anderes Thema.

Also meine Kinder zeigen mir, wenn ich nicht glaubwürdig bin. Wenn ich sage, keine Gummibärchen mehr und mir innerlich denke, warum eigentlich nicht? Oder wenn ich sage wir müssen los, ich aber selber lieber noch daheim bleiben will. Oder ich selbst grad keinen Bock auf Brokkoli habe.

Dann ist meine Aufgabe aber nicht glaubwürdiger zu sein. Das wäre zu viel verlangt. Ich kann ja nicht von heute auf morgen alle alten verwirrten, verstaubten Glaubenssätze über Bord werfen und mein reinauthentisches ICH leben, nur weil ich jetzt Kinder habe.

Gehört also auch zu mir. Die Unschärfe. Die Verwirrung. Das Nichtbesserwissen.

Der Glaubwürdigkeit begegnen

In meiner Analyse gehe ich noch einen Schritt weiter. Ich sehe die Chance, die mir meine Kinder bieten. Bin ich nicht ich, sind sie nicht sie. Dann tickt was komisch, oder sie sind einfach nur müde, hungrig  oder überfordert und in den meisten Fällen ist es wirklich „nur“ das. Aber wenn meine satte, ausgeschlafene Dreijährige meine Grenzen nicht akzeptiert, bin ich wahrscheinlich am falschen Dampfer.

Anstatt ihr Verhalten persönlich zu nehmen (macht das bitte nie nie nie, auch wenn es nicht leicht ist), denke ich mir zumindest danach, was ist denn jetzt meine tatsächliche Meinung zu den Gummibärchen, müssen wir wirklich in den Park gehen, kann man den Brokkoli denn nicht weglassen.

Es geht also nicht darum anders zu sein oder authentischer zu sein, sondern darum der eigenen Glaubwürdigkeit zu begegnen und sich damit auch selber ein stückweit besser kennenzulernen. Das find ich spannend. Damit kann ich gut ich sein. Und das wollen glaube ich auch meine Kinder.

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