Mit dem Essen spielt man nicht, oder doch?

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Mit dem Essen spielt man nicht. Dieser Satz wirkt alt. Ganz alt. Und er sitzt noch immer tief. Ich höre ihn immer wieder, bei Anderen oder auch manchmal bei mir als innere Stimme, obwohl ich ihn selber als Kind nicht oft gehört habe. Ich spreche ihn nie aus, aber er beschäftigt mich immer wieder, denn solche Sätze sollte es eigentlich nicht mehr geben.

Alte Glaubenssätze

MIT DEM ESSEN SPIELT MAN NICHT!

Warum nicht? Und wieso spielt man manchmal mit Essen und manchmal nicht? Kartoffeldruck und Salzteig sind ok, aber die Erdbeeren in der Milch versenken nicht?

Das ist nicht logisch!

Mein inneres Kind hat in meinen Gedanken protestiert und einen recht spannenden Dialog mit meiner inneren Mutter geführt. Herausgekommen ist: kein Anteil in mir hat mehr Lust auf alte verstaubte Glaubenssätze mit Nullaussage.

Was bedeutet es heute? Für mich?

Essen ist eine wertvolle Ressource. Das ist mir wichtig. Ich will nicht, dass Essen verschwendet wird. Mir tut es Leid, dass ich es nicht immer schaffe alles Gemüse zu verkochen und auch mal was wegwerfen muss. Ich bin mir aber auch nicht ewig böse, dass es passiert. Wenn ich könnte, würde ich. Alles eine Frage meiner Prioritäten. Da war halt auf mich schauen wichtiger als die Zucchini im Kühlschrank. Die Kaffeepause notweniger als die warmer Gemüsemahlzeit. Kommt vor. Das ändert aber nichts an meiner Haltung gegenüber dem Essen.

Mit Essen zu spielen hat also einen Beigeschmack von Verschwendung einer sehr wertvollen Ressource. Deswegen darf man es nicht. Ich sage: nein genau deswegen darf man es! Denn nur so lernt man auch den Umgang mit dieser Ressource.

Essen ist für mich Freude. Ein Genuss. Etwas das wir als Familie gemeinsam machen. Essen soll Spaß machen und ja keinen Stress verursachen. Was für mich nicht sein darf, ist dass jemand zum Essen gezwungen wird oder aufessen muss. Das musste ich auch nie und ich finde, ich habe heute einen sehr guten Zugang zu meinem Sättigungsgefühl. Das traue ich auch meinen beiden Kindern zu. Bis meine Tochter sagen konnte, dass sie satt ist, hat sie wenn der Bauch voll war, angefangen mit dem Essen zu spielen. Manchmal habe ich sie spielen lassen, manchmal habe ich ihr dann aber liebevoll gesagt, dass ich sehe, das sie fertig ist und dass ich das Essen jetzt wegräume. Beides war voll ok, für sie und für mich.

Kreativität, Experimente und Lernen

Kinder lernen im Spiel. Das ist die natürliche Form des Lernens. Mit Essen zu spielen bedeutet herauszufinden, wie was schmeckt, sich anfühlt oder wie sich die Konsistenz verändert, wenn man Dinge mischt. Später wird alles vielleicht auch mal aufgekocht oder in ganz kleine Teile geschnitten. Das macht doch auch eine Profiköchin, wenn sie ein neues Rezept entwickelt. Gerade Nahrungsmittel eröffnen da einen sehr spannenden Raum für Experimente. Warum sollte ich das verbieten?

Meine Spielregeln

Ich brauche Spielregeln. Einfach damit ich dem Spiel einen Rahmen gebe. Ich brauche das, damit ich währenddessen nicht die ganze Zeit mit den Augen rolle, weil ich eigentlich schon Panik vor dem Wegräumen habe. Ich habe versucht einen Rahmen zu finden, in dem die Kreativität möglichst wenig eingeschränkt wird.

  1. Essen ist wertvoll. Am besten es wird nach dem Spiel gegessen. Gerne auch mit den Fingern, vom Boden oder wie es sonst ins Experiment passt. Wenn es gar nicht mehr schmeckt (wir haben alle schon mal was versalzen) wird es auch mal weggeworfen. Die Kartoffel wird nach dem Drucken ja auch nicht gegessen. Gleichzeitig versuchen wir den Müll sehr zu reduzieren. Das ist Teil der Challenge.
  2. Ich putze nicht gerne. Deswegen bleibt das Essen in der Küche und wird nicht in der Wohnung herum getragen. Balkon ist natürlich auch ok!
  3. Kleidung darf schmutzig werden.
  4. Wir räumen gemeinsam auf.
  5. Wir haben Spaß!

Anregungen

Gerade mit ganz keinen Kindern ist doch das Spielen mit Nahrungsmitteln perfekt. Da ist es einfach völlig egal ob die Knete gegessen wird oder nicht. Hier ein paar Anregungen zum Spielen mit Essen, von meinen lieben Bloggerkolleginnen:

3fachjungsmami zeigt uns wie man Kinetic Sand selber macht

http://www.3fachjungsmami.net/2015/07/moon-sand-kinetic-sand-ganz-einfach.html

Bei der kleinen Grechtlerin gibt es Knetmasse mit Glitzer 🙂

https://kleinegrechtlerin.wordpress.com/2017/04/19/diy-eisprinzessinplastilin/

Oder wie wäre es mit coolen Ninja Antistressbällen von monstamoons

http://www.monstamoons.at/2016/09/21/diy-ninja-antistressbaelle/

MuttisNähkästchen hat auch ein Rezept für Knetmasse:

Knetmasse, selbst gemacht

Und bei die kleine Botin gibt es zusätzlich zum Rezept auch ein Video:

Mal was selber machen: DIY Knetmasse

Wie steht ihr zu Essen und Spielen? Wo sind eure Grenzen?

© Text und Bild, www.sinn-impuls.at

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