Gastbeitrag: Die Mama als externe Festplatte oder das 24/7 BackUp

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FESTPLATTE von Catharina Ballan

Ich tue mir ein bisschen schwer, mich als Mama zu sehen und alles andere kommt dann auch noch. Vielmehr fühle ich mich als Mensch/Frau, die (auch) ein Kind hat.
Dieses „auch“ in Klammer ist essentiell. Soll es nun da stehen oder nicht?

Mein Kind ist wesentlich für mich. Wesentlicher als alles andere auf dieser Welt.
Mein Kind IST ich. Für MICH. Für mein Kind muss es ES selber sein. Ich bin dabei nur das Back-Up. Wie eine externe Festplatte auf die es sich entlädt und auf die bei Bedarf zurückgegriffen werden kann.

Das sollte immer so sein – ist es aber oft nicht.

Es stellt sich die Frage: kann man eine gute, externe (!) Festplatte sein, wenn man VOR dem digitalen Zeitalter groß geworden ist?
Übertreiben wir es heutzutage mit den Sicherungskopien oder machen wir es damit endlich mal richtig? Und wenn wir auf dem richtigen Weg sind, bedeutet das, dass die Welt gerade gerettet wird? Von UNS? Weil wir verantwortungsvolle, empathische, positive und ausgeglichene Menschen wachsen lassen? Eher nicht.

Abgesehen davon, dass Festplatte spielen natürlich ein grundguter Vorsatz ist: selbst wenn man es schafft 24/7 diese Rolle zu übernehmen, ist nichts garantiert.

Wir sind als Mutter (nur darüber kann ich halbwegs urteilen) nicht allmächtig. So ist das auch nicht vorgesehen. Und je mehr wir uns den Kopf darüber zerbrechen, was wir alles falsch machen (können), desto mehr tun wir das auch. Meine Meinung.

Vielleicht hilft es ja sich klar zu machen, was man an Gutem hat. Positive Energie. Nicht etwas verhindern oder ändern wollen, sondern genießen was IST.
Sobald etwas nicht läuft merkt man das normalerweise sehr schnell und wenn das Interesse da ist, werden Lösungen gesucht und gefunden. Das passiert automatisch.
Mir persönlich hilft dabei der Austausch – das müssen gar nicht unbedingt gleichgesinnte sein, auch wenn das meistens nicht schadet. Oft braucht es aber nur einen kleinen Denkanstoß, eine kleine Aufmerksamkeit und vieles wird klar(er).

Es gilt: Gefühle haben immer recht.

Rechtfertigen muss sich dafür allerdings niemand. Sie sind nicht steuerbar. Die Einbildung hingegen schon, aber das ist nichts für die Dauer.
Die Kinder sind grundsätzlich natürlich mal unschuldig. Wobei „Schuld“ in Bezug auf Gefühle wieder völlig fehl am Platz ist.
Dennoch sind Kinder ab einem gewissen Alter auch schon weit über das Nudelsuppe-schwimmen hinaus. Ich persönlich vergesse das immer wieder und wenn mich jemand dezent darauf aufmerksam zu machen versucht, dass ich gerade dabei bin, mich an der Nase herumführen zu lassen, reagiere ich mitunter sogar ziemlich gereizt.
Sowas gesteht man sich ja auch nicht so gerne ein, oder?
Abgesehen vom eigenen „Schaden“, den man dadurch davonträgt, wenn man sein Gegenüber – in diesem Fall das Kind – unterschätzt, tut man auch selbigem nichts Gutes damit. Denn klar muss sein: was man dem Kind nicht zutraut, das kann es sich selbst auch schwer zutrauen.
Da geht’s dann schon lange nicht mehr um die eigene Nase und kann sogar zu einer langwierigen Sache ausarten, wie die meisten von uns wissen: das liebe Selbstwertgefühl. Darüber ist ja schon ein bisschen was geschrieben worden.

Grundsätzlich gilt es auf das eigene Wohlbefinden zu bestehen.
Den Spruch „man kann nicht alles haben“ mag ich nicht. Kann man nämlich schon! Auf jeden Fall so viel, wie man braucht.

BRAUCHEN: lt. Duden auch: NÖTIG HABEN, BEDÜRFEN

Daraus schließe ich ganz frei: man DARF NOT verhindern, um das zu bekommen, was man BRAUCHT. Denn auch nur so kann man geben, was unerlässlich ist für unseren Nachwuchs. Und das zu verhindern wäre verantwortungslos, was ja so ziemlich das letzte ist, was wir sein wollen.

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© Bild und Text Catharina Ballan, www.catharinaballan.com

Catharina lebt und arbeitet mit ihrem Sohn (8) in Wien. Sie ist ein Mensch voller Kreativität, egal ob im Job als Grafikdesignerin, als auch privat durch ihre Texte und ihre Stimme, die ich hoffentlich auch bald hier am Blog vorstellen darf.

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